ADHS, Reflex und das Marburger Konzentrationstraining

ADHS, Reflexe und Konzentrationsschwäche: Ein komplexer Zusammenhang
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine komplexe neurologische Entwicklungsstörung, die sich durch Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auszeichnet. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, den Zusammenhang zwischen ADHS, sogenannten frühkindlichen Reflexen und Konzentrationsschwäche genauer zu untersuchen.
Frühkindliche Reflexe und ihre Bedeutung
Frühkindliche Reflexe sind angeborene, unwillkürliche Bewegungsmuster, die bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Sie dienen der Sicherung des Überlebens und der Entwicklung des Nervensystems. Im Laufe der normalen Entwicklung werden diese Reflexe durch höhere Gehirnfunktionen gehemmt und in komplexere, willkürliche Bewegungen integriert.
Persistierende frühkindliche Reflexe und ADHS
Bei manchen Kindern mit ADHS können jedoch einige dieser frühkindlichen Reflexe länger als üblich bestehen bleiben oder wieder auftreten. Man spricht dann von persistierenden frühkindlichen Reflexen. Diese können sich auf verschiedene Bereiche auswirken, darunter:
Motorische Koordination: Schwierigkeiten bei der Fein- und Grobmotorik, Ungeschicklichkeit.
Sensorische Verarbeitung: Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen, z.B. Lärm, Berührungen.
Aufmerksamkeit und Konzentration: Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, Ablenkbarkeit.
Emotionale Regulation: Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren, Impulsivität.
Der Zusammenhang mit Konzentrationsschwäche
Persistierende frühkindliche Reflexe können die Konzentration auf verschiedene Weise beeinträchtigen:
Wenn das Nervensystem damit beschäftigt ist, unwillkürliche Reflexe zu unterdrücken, bleibt weniger Energie für kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit und Konzentration übrig.
Motorische Unruhe, die durch persistierende Reflexe verursacht wird, kann es erschweren, still zu sitzen und sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Sensorische Überempfindlichkeit kann dazu führen, dass Betroffene von Umweltreizen leicht abgelenkt werden.
Wichtig zu beachten
Der Zusammenhang zwischen ADHS und persistierenden frühkindlichen Reflexen ist noch nicht vollständig geklärt.
Nicht alle Kinder mit ADHS haben persistierende Reflexe, und nicht alle Kinder mit persistierenden Reflexen haben ADHS.
Die Reflexintegrationstherapie kann hilfreich sein, um persistierende Reflexe zu hemmen und die Konzentration zu verbessern, sollte jedoch immer in Absprache mit Fachleuten erfolgen.
Fazit
Die Forschung deutet darauf hin, dass persistierende frühkindliche Reflexe bei manchen Menschen mit ADHS eine Rolle bei Konzentrationsschwäche spielen können. Es ist jedoch wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen und alle Faktoren zu berücksichtigen, die zur ADHS-Symptomatik beitragen können.
Ein wichtiger Baustein ist neben einem Reflex-Test, also der neuromotorischen Unreife, dass Marburger Konzentrationstraining
ADHS und das Marburger Konzentrationstraining: Ein wirksamer Ansatz
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) stellt Kinder und Jugendliche vor vielfältige Herausforderungen im Alltag. Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität und Hyperaktivität beeinträchtigen oft schulische Leistungen, soziale Interaktionen und das Selbstwertgefühl. Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) hat sich als ein wirksamer Ansatz etabliert, um Betroffenen zu helfen, ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und Strategien für den Umgang mit ihren ADHS-Symptomen zu entwickeln.
Was ist das Marburger Konzentrationstraining?
Das MKT ist ein wissenschaftlich fundiertes Trainingsprogramm, das speziell für Kinder und Jugendliche mit Konzentrationsschwierigkeiten entwickelt wurde. Es basiert auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Prinzipien und zielt darauf ab, die Selbststeuerung, Aufmerksamkeit und das Arbeitsverhalten zu verbessern.
Kernkomponenten des MKT:
Verbale Selbstinstruktion:
- Die Kinder lernen, sich durch innere Dialoge selbst Anweisungen zu geben, um Aufgaben strukturiert und fokussiert zu bearbeiten
Problemlösestrategien:
- Das Training vermittelt Techniken, um Probleme zu erkennen, Lösungswege zu entwickeln und diese umzusetzen
Entspannungstechniken:
- Durch Entspannungsübungen lernen die Kinder, ihre innere Unruhe zu reduzieren und sich besser zu konzentrieren
Verhaltensmodifikation:
- Positive Verstärkung und andere verhaltenstherapeutische Methoden werden eingesetzt, um erwünschtes Verhalten zu fördern
Elternarbeit:
- Die Eltern werden in das Training einbezogen, um sie dabei zu unterstützen, die erlernten Strategien im Alltag zu festigen
Wie hilft das MKT bei ADHS?
Verbesserung der Aufmerksamkeit:
- Das Training hilft den Kindern, ihre Aufmerksamkeit gezielter zu steuern und Ablenkungen zu reduzieren
Steigerung der Selbstkontrolle:
- Durch die verbale Selbstinstruktion lernen sie, ihre Impulsivität besser zu kontrollieren
Strukturierung des Arbeitsverhaltens:
- Das MKT vermittelt Strategien, um Aufgaben planvoll und systematisch anzugehen
Stärkung des Selbstwertgefühls:
- Erfolge im Training und im Alltag tragen dazu bei, das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken
Für wen ist das MKT geeignet?
Das MKT ist in erster Linie für Kinder und Jugendliche mit ADHS oder anderen Konzentrationsschwierigkeiten geeignet. Es kann sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen durchgeführt werden
Wichtige Hinweise:
Das MKT ist kein Ersatz für eine umfassende ADHS-Diagnostik und -Behandlung.
Die Wirksamkeit des Trainings hängt von der aktiven Teilnahme der Kinder und der Unterstützung durch Eltern und Therapeuten ab.
Das MKT kann von speziell ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden.
Bei der Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) gibt es verschiedene Therapieansätze, die oft in Kombination angewendet werden. Hier sind die wichtigsten Therapieoptionen:
1. Verhaltenstherapie:
Kognitive Verhaltenstherapie:
Diese Therapie hilft Betroffenen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.
Es werden Strategien erlernt, um die Aufmerksamkeit zu verbessern, impulsives Verhalten zu kontrollieren und das Arbeitsverhalten zu strukturieren.
Elterntraining:
- Eltern lernen, wie sie ihr Kind mit ADHS im Alltag unterstützen können.
- Es werden Techniken vermittelt, um positive Verstärkung einzusetzen, klare Regeln aufzustellen und mit schwierigen Verhaltensweisen umzugehen.
2. Medikamentöse Therapie:
Stimulanzien:
- Diese Medikamente (z. B. Methylphenidat-(Handelsnamen beispielsweise Medikinet, Concerta, Ritalin, Atomoxetin, Dexamphetamin, Lisdexamfetamin, Guanfacin und entsprechende Generika) erhöhen die Konzentration von bestimmten Botenstoffen im Gehirn und verbessern so die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle.
3. Psychoedukation:
- Diese Therapieform beinhaltet die Aufklärung über das Krankheitsbild.
- Es werden Informationen zur Entstehung, zum Verlauf und zu den möglichen Behandlungsalternativen gegeben.
- Ziel ist es, das Verständnis für ADHS zu verbessern und Betroffenen und ihren Familien zu helfen, besser damit umzugehen.
4. Weitere Therapieansätze:
Ergotherapie:
- Diese Therapie kann bei motorischen Schwierigkeiten, sensorischen Integrationsstörungen und Problemen mit der Selbstorganisation helfen.
Logopädie:
- Bei Sprach- und Sprechstörungen, die bei ADHS auftreten können, kann eine logopädische Therapie hilfreich sein.
Neurofeedback:
- Diese Methode zielt darauf ab, die Selbstregulation des Gehirns zu verbessern.
Marburger Konzentrationstraining (MKT):
- Das MKT ist ein wissenschaftlich fundiertes Trainingsprogramm, das speziell für Kinder und Jugendliche mit Konzentrationsschwierigkeiten entwickelt wurde.
PEP - Bifokal-multisensorische Techniken
- Die bifokal-multisensorischen Techniken umfassen sowohl die Modifikation bzw. Integration dysfunktionaler Emotionen als auch dysfunktionaler Beziehungsmuster und deren Kognitionen. Dies generiert schnell spür- und messbare Effekte.
INPP (Institut für Neurophysiologische Psychologie):
- Das INPP bietet eine Methode an, mit welcher man durch spezifische Bewegungsübungen, die Reifung des Nervensystems nachträglich fördern kann.
Wichtige Hinweise:
Die Behandlung von ADHS sollte immer individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt sein
Eine multimodale Therapie, die verschiedene Ansätze kombiniert, ist oft am wirksamsten
Die Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten, Eltern und Lehrern ist entscheidend für den Therapieerfolg
Für weitere Fragen oder Termine zum Erstgespräch, bitte eine Mail an: beratung.coachng.koblenz@gmail.com